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Kuessaburg

KURZGEFASSTE GESCHICHTE DER KÜSSABURG

Über die Entstehungsgeschichte der Burg ist nahezu nichts bekannt. 420 Meter östlich der Burg liegt geschützt in einer Senke der sogenannte Schloßhof, bestehend aus dem Gasthaus "Küssaburg" und dem Vorderen Schloßhof. Hier befindet sich die engste Stelle des Bergrückens. Etwa 40 Meter östlich des Vorderen Schloßhofes treten beim Pflügen immer wieder Reste eines Steinwalles zutage, die von einer keltischen Fluchtburg (Opidum) stammen könnten. Westlich des Walles, also auf der Seite der Küssaburg, ist eine wasserführende Schicht vorhanden, also hatten die ersten Bewohner des Küssaberges auch schon Trinkwasser.

Unterhalb der Burg befindet sich der Paß von Bechtersbohl, über den schon zur Römerzeit eine bedeutende Heeres- und Handelsstraße führte, die Rom mit dem mittleren Neckartal verband. Der Paß selbst war vermutlich damals durch ein hölzernes Sperrwerk gesichert. An der Stelle der Burg stand vielleicht ein römischer Wach- und Signalturm. Die Anfänge der eigentlichen Burg gehen wohl bis ins 6. Jahrhundert zurück, also in die Zeit der Unterwerfung der Alemannen durch die Franken und Entstehung der fränkischen Grafschaften. Die Dörfer Bechtersbohl und Küssnach werden schon 876 in Urkunden des Klosters Rheinau erwähnt, jedoch vermelden die Akten nichts über die Burg. Erst 1141 berichtet die Chronik über einen Heinrich I.., Freiherr von Küssenberg, vermutlich einen Staufischen Gefolgsmann, der 1177 als Graf von Küssenberg tituliert wird.

Die Küssaburg ist heute die größte Burgruine des Landkreises. Sie beherrschte während des gesamten Mittelalters bis zu ihrer Zerstörung den Paß von Bechtersbohl. Warum die Burg oben auf dem Küssaberg und nicht in der Enge von Bechtersbohl erbaut wurde, weiß man heute nicht mehr. Das Gebiet der Küssaburg gehörte im Mittelalter zum Machtbereich des Hochstiftes Konstanz. Der Verfasser vermutet, daß die Burgherren der Küssaburg Lehensleute des Hochstiftes waren. Um 1232, zur Zeit des Stauferkaisers Friedrich II., wurde die Burg wahrscheinlich wie viele damalige Burgen vergrößert, verstärkt und ausgebaut. 1250 starb das Geschlecht der Küssenberger aus und das Lehn fiel zurück an das Hochstift Konstanz. 1492 wurde die Burg an die in Tiengen residierenden Grafen von Sulz verpfändet, die das Pfand aber nicht mehr heraus gaben und 1497 das Küssachtal mitsamt der Burg als erbliches Lehn zugesprochen erhielten.

Die Burg lag seit den Anfängen der Eidgenossenschaft im Jahre 1291 immer im Spannungsfeld zwischen den Eidgenossen und dem durch die Habsburger regierten Deutschen Reich. Die Habsburger versuchten in einer Reihe von Kriegen, die durch die Eidgenossen entrissenen Gebiete zurückzugewinnen. Besonders der Kaiser Friedrich III. (1440 bis 1493) erlaubte sich gegen die Eidgenossen zahlreiche Feindseligkeiten. Sein Nachfolger Maximilian setzte diese Politik fort und lieferte den Eidgenossen vier verlustreiche Gefechte bei Konstanz, nahe Feldkirch, Calven in Tirol und bei Dornach. Diese Kleinkriege wurden als sogenannte Schwabenkriege bezeichnet und wurden sämtlich durch die Eidgenossen gewonnen. Der Burgherr der Küssaburg, Rudolf V. von Sulz besaß das Stadtrecht von Zürich, war aber andererseits dem Kaiser zum Kriegsdienst verpflichtet. Nach längerem Taktieren übergab Rudolf V. 1499 die Burg an den auf der Seite Habsburg stehenden Schwäbischen Bund, einen Zusammenschluß der süddeutschen Städte.

Die nur von 25 Mann Besatzung verteidigte Burg mußte sich bald darauf einer Übermacht von 500 Eidgenossen ergeben. Unsere Gegend, die zu den Eidgenossen übergelaufen war, wurde durch den Nürnberger Feldhauptmann Willibald Pirckheimer zurückerobert und hierbei aufs Schwerste gebrandschatzt und verwüstet. Rudolf V. schikanierte danach die abgefallene Bevölkerung mit härtester Fronarbeit. Die Schwabenkriege werden in den Geschichtsbüchern kaum erwähnt, obwohl damals über 20 000 Gefallene und mehr als 2 000 ganz oder teilweise zerstörte Städte und Dörfer zu beklagen waren.

Kuessaburg

Im Bauernkrieg von 1525 wurde die Küssaburg durch die aufständischen Bauern belagert und die Vorburg schwer beschädigt. Danach bauten die Grafen von Sulz 1529 die Anlage abermals aus. Die Festung wurde nach den neuesten Erkenntnissen der Wehrtechnik umgestaltet. Gegen Osten entstanden starke Bastionen mit zahlreichen Geschützpforten.

Im Dreißigjährigen Krieg, am 08. März 1634, brannte die Festung nieder. Sie wurde beim Herannahen einer durch den General Horn geführten schwedischen Truppe von der eigenen Besatzung zerstört. Die "treulosen Verteidiger" wurden später hingerichtet.

Viele Fragen blieben seither offen: War die Burg damals ausreichend bemannt und mit Munition versehen? Wo hielt sich am 08. März 1634 Karl Ludwig II. von Sulz auf? Warum wurde die Bevölkerung damals nicht in die schützende Burg aufgenommen?

Wolf Pabst, Juli 2009 (Quelle: Der kleine Führer durch die Küssaburg)

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