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RUNDGANG DURCH DIE KÜSSABURG

 

1. Äussere Burg 

1. Spaziergang um die Burg herum

Nach kurzem Anstieg steht man am südlichen Ende des Burggrabens (>1>).

Geht man nun nach Norden, also in den Graben hinein, so befindet man sich direkt vor den stärksten Befestigungen der Burg. Die unterste Geschützpforte am geraden Mauerstück trägt die Jahreszahl 1529 (>2>).

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1529 wurde die gesamte Burg verstärkt und zur Festung ausgebaut. Schaut man nach oben, so entdeckt man über den Geschützpforten im geraden Mauerstück rechteckige Öffnungen für den Abzug des Pulverdampfes, welche an späterer Stelle nochmals beschrieben werden.

Wir begeben uns nun hinüber zu der großen, halbrunden Bastion (>3 >) und schauen von außen in eine der großen Geschützpforten hinein. Gut erkennbar ist, daß die trichterförmigen Wände der Geschützpforten früher nach innen abgestuft waren, um verirrte Kugeln abzufangen. Die Mauerdicke beträgt an dieser Stelle 3,80 m. Dem aufmerksamen Beobachter fällt auf, daß sich oberhalb der Geschützöffnungen der großen Bastion keine Rauchabzüge befinden. Insofern muß angenommen werden, daß sich im Zentrum der Bastion eine größere zentrale Öffnung befand, welche durch alle Stockwerke hindurch führte und einen Abzug des Pulverdampfes ermöglichte.

Der Weg geht nun unter der Brücke hindurch, vorbei an der neu durch den Küssaburgbund erstellten WC Anlage. Links unter der Zugbrücke erkennt man eine kleine Fluchtpforte (>4>), die heute mit einer Gittertür versehen ist, darüber erkennt man ebenfalls einen Pulverdampfabzug. Dieses Türchen wurde vermutlich ursprünglich beim Bau der Burg durch die Handwerker benützt und dann später teilweise zugemauert, teilweise als Ausgang belassen.

Unterhalb des Burgtores, etwa 0,50 m unter der Zugbrücke, sehen wir eine große, schön behauene Konsole, auf welcher früher ein schwerer Balken auflag, der vermutlich die Konstruktion der Zugbrücke trug.

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In der rückwärtigen Wand ist noch das zugemauerte Balkenloch, 35 cm breit und 45 cm hoch, zu erkennen. Nach dem Umrunden der links neben der Zugbrücke gelegenen Mauerecke entdecken wir etwa 1,50 m von der Ecke entfernt einen weiteren Pulverdampfabzug.

Wir marschieren nun entlang der Außenmauer der Burg. Diese äußere Umfassung war etwa 6 m hoch. Die Mauer bildet immer wieder kräftige Absätze (>5>).

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Jeweils im Bereich der Absätze befinden sich Geschützöffnungen, sogenannte Grabenstreichen, von welchen aus ein größerer Mauerabschnitt unter Beschuß genommen werden konnte, ohne eigene Leute zu gefährden. Gleichzeitig bildeten diese Mauerversätze eine gute Mauerverstärkung, die die Standfestigkeit des Bauwerkes wesentlich erhöhte.

Im Bereich der geraden Zwischenstücke findet man weitere Schießscharten, von denen aus die Hänge des Burgberges verteidigt werden konnten. Der aufmerksame Beobachter entdeckt längs der Außenmauern drei schön gehauene Wasserrinnen.

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Nach Umrundung der Burg steht man wieder im Burggraben. Wir steigen nun über den östlichen, nun rechts von uns liegenden Rand des Burggrabens hinaus zur Zugbrücke.

 

2. Zwinger

2. Rundgang durch die Zwinger der Burg

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Nach Überschreiten der Zugbrücke stehen wir vor dem äußeren Burgtor. Rechts des Tores ist auf einer Messingtafel eine Gesamtansicht der Burg abgebildet. Links des Tores befindet sich eine große Geschützpforte, auf deren Gewölbeteil ebenfalls die Jahreszahl 1529 eingehauen ist. Unterhalb dieser Geschützpforte erkennen wir den Pulverdampfabzug der darunter liegenden kleinen Fluchttür. Über dem 2,20 m breiten und 2,70 m hohen Rundbogen des äußeren Burgtores befindet sich eine Pechnase, welche in dieser Form schon in älteren Ansichten der Burg dargestellt war, nun aber neu angebracht wurde. Durch diese Öffnung konnte früher Pech und heißes Öl auf angreifende Feinde hinuntergegossen werden.

Ebenfalls unter dem Burgtor befindet sich eine Wappentafel.

Beide Seiten des Tores sind von Radabweisern flankiert, die verhinderten, daß das Eingangstor durch Räder der Fuhrwerke beschädigt wurde.

Nach Durchschreiten des Tores sehen wir rechts das 20 cm breite und 24 cm hohe Riegelloch, in welches der schwere hölzerne Verschlußbalken eingeschoben wurde. Auf der linken Seite befindet sich das nahezu 3 m tiefe Riegelfach, in welches der Türbalken zurückgeschoben wurde, um das Tor zu öffnen. Beidseits des Tores befinden sich je 2 weitere Nischen, in welchen steinerne oder eiserne Türscharniere steckten, welche aber in späterer Zeit herausgebrochen wurden. Am inneren Ausgang des Torgebäudes befand sich vermutlich früher ein Eisengitter. Spuren, die hierauf hinweisen, sind jedoch nicht mehr zu finden.

Nach dem Torhaus erblicken wir links in einer Höhe von 2,60 m eine Schießscharte, welche von einer dort vorhandenen Wendeltreppe aus auch heute noch zugänglich ist. Von hier aus konnten eingedrungene Angreifer unter Feuer genommen werden.

Wir befinden uns nun im sogenannten ersten Zwinger [Bronzeschild Nr. 12], welcher vom sogenannten zweiten Zwinger [Bronzeschild Nr. 13] durch eine Quermauer (>6>) abgetrennt ist. Hier befinden sich weitere Schießscharten, von welchen aus die Zwinger beschossen werden konnten. Auch rechts gegen den Klettgau liegen kleinere Schießscharten, von welchen aus man eine herrliche Aussicht in Richtung Klettgau genießt. An der etwa 4 m hinter der Zwingermauer gelegenen Schießscharte (>7>) befinden sich links und rechts je eine ausgehauene Vertiefung; es handelt sich um sogenannte Riegellöcher.

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Die Schießscharten der Burg wurden früher durch schwere Holzläden verschlossen, welche mit Hilfe eines eingelegten Holzbalkens verriegelt wurden.

Nach links zweigt nun das innere Burgtor (>8>) ab. Wir marschieren geradewegs auf eine weitere Geschützpforte, eine sogenannte Grabenstreiche (>9>) zu, welche die Aufgabe hatte, Eindringlinge vom inneren Burgtor fernzuhalten.

Von hier aus begeben wir uns nun halbrechts in den Zwischenraum zwischen der äußeren und der inneren Burgmauer, den sogenannten äußeren Zwinger, welcher früher in Höhe des inneren Burgtores durch ein schmales Tor gesichert war (>10>).

Beim Weiterschreiten bekommen wir einen sehr guten Eindruck von den Ausmaßen der Burg und von der Vielzahl von Verteidigern, die notwendig waren, um die Festung zu halten. Die steile Böschung auf der Innenseite des Zwingers besteht zum Teil aus Bauschutt, zum Teil jedoch auch aus gewachsenem Fels.

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Bei genauerem Hinsehen entdeckt man auf der Böschung noch Bruchstücke von handgeformten Dachziegeln (Mönch und Nonne genannt). Nach Umrunden des sogenannten Rondells im Westen der Anlage (>11>) haben wir einen sehr schönen Blick von außen auf die beiden Halbtürme (>12>) und (>13>), welche heute noch eine Höhe von 4 Stockwerken haben und in ihrer ganzen Wehrhaftigkeit vor uns stehen.

Der Zwinger endet an der östlichen Wehrmauer (>14>) in Richtung Schloßhof (Osten).

Beim Zurückgehen schauen wir uns die einzelnen Geschützpforten der Halbtürme und die darüber befindlichen Entlastungsgewölbe genauer an. Der äußere Zwinger wurde vermutlich von etwa 10 bis 12 Mann verteidigt, welche sich, sobald die Angreifer die Außenmauer übersteigen würden, nur mit Hilfe von Leitern in die innere Burg zurückziehen konnten, denn der Zwinger hatte, wie wir nun wissen, nur einen einzigen Zugang. Vermutlich befanden sich im äußeren Zwinger, wenn die Burg nicht verteidigt wurde, eine Anzahl scharfer Hunde, die jegliches Übersteigen der äußeren Burgmauer unmöglich machten.

Wir gehen nun zunächst zurück zum Rondell [Bronzeschild Nr. 16]. Dieses besteht aus einem niedrigen Halbturm mit etwa 0,70 m Mauerdicke, welcher vielleicht überdacht war. Von dort aus konnten durch Schießscharten weite Bereiche des äußeren Zwingers beherrscht werden.

Nun gehen wir zurück Richtung Burgtor. Am Eingang des äußeren Zwingers angelangt, wenden wir uns nun nach rechts und betreten durch das innere Burgtor die eigentliche Burg.

 

3. Innere Burg

3. Besichtigung der inneren Burg

Nach dem Betreten des Burginnern erkennt man sehr gut die Konstruktion der drei noch vorhandenen Halbtürme (Schalentürme). Sie waren gegen den Hofraum offen und besaßen auf der offenen Rückseite vermutlich eine Bretterverschalung. Zwischen den einzelnen Brettern befanden sich breite Lücken. Die weitgehend offene Rückseite erlaubte einen ungehinderten Abzug der Pulverdämpfe, darüber hinaus konnten sich die Verteidiger besser durch Zurufe verständigen. Ein in den Turm eingedrungener Feind konnte leichter von der ungeschützten Hofseite her unter Beschuß genommen werden.

Der weitere Rundgang beginnt am kleinsten Halbturm (>15>), gleich rechts vom inneren Burgtor [Bronzeschild Nr. 14] (>8>). Hier befindet sich eine schöne, in Bronze gegossene Hinweistafel mit dem Grundriß der Küssaburg und entsprechenden Erläuterungen. Von dort aus begeben wir uns gegen Westen, also Richtung Zurzach, und genießen vom ehemaligen Rondell [Bronzeschild Nr. 16] aus wieder den schönen Ausblick ins Rheintal.

Nun wenden wir uns dem südwestlichen Halbturm [Bronzeschild Nr. 11] (>12>) zu. Eine Treppe führt hinab in die beiden Untergeschosse. Sie kann jedoch nicht benützt werden. Die Zwischendecke zwischen erstem und zweitem Untergeschoß ist eingestürzt. Man erkennt dennoch von oben sehr gut die ehemaligen Geschützstände. Vom dritten Geschoß aus, welches sich in Höhe des inneren Burghofes befindet, haben wir einen freien Ausblick in den Burggraben. Auch hier befinden sich an den Schießscharten die bereits beschriebenen Mauerlöcher für den Holzbalken zur Sicherung der schweren Holzläden.

Wir wenden uns nun gegen Osten, also in Richtung des Sendemastes (Bergfried?). Links von uns liegt jetzt die sogenannte Bäckerei [Bronzeschild Nr. 9] (>16>), welche man an der dort vorhandenen Grillstelle erkennt. Bei genauem Hinschauen entdecken wir die beiden unten abgebildeten Konsolen (maskenhaftes Mondgesicht und Gesicht eines bärtigen Mannes).

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Der bärtige Mann streckt die Zunge heraus. Die Herkunft beider Konsolen ist ungewiß, sie stammen eventuell von einem Kamin oder vielleicht aus der ehemaligen Burgkapelle, ähnliche Konsolen findet man aber auch an Kragdächern gotischer Steinhäuser, z. B. am St. Blasischen Amtshaus in Kaiserstuhl/Schweiz.

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Die Burgkapelle [Bronzeschild Nr. 7] befindet sich gegenüber der Bäckerei in Richtung Süden (>17>).

Wir kommen nun zu dem inmitten des Burgareals gelegenen Burgbrunnen (>18>). (Bronzeschild Nr. 6, Zisterne)

Nach einem Blick in den südöstlichen Halbturm und von dort aus in den äußeren Zwinger begeben wir uns zur Treppe, die hinauf auf die Schildmauer führt. Auf dem ersten Treppenabsatz befindet sich ein Wasserbehälter (>19>) (wo in der Zeichnung?), der erst in neuerer Zeit erstellt wurde. Er hat etwa 10 m3 Inhalt, wird von Bechtersbohl her durch eine Pumpleitung versorgt und beliefert das Gasthaus Küssaburg sowie einen Teil der umliegenden Gebäude mit frischem Trinkwasser. Die Schildmauer (>20>) (wo in der Zeichnung?) schützte früher die im Innern der Burg vorhandenen leichter gebauten Fachwerkhäuser vor den Geschützkugeln der Angreifer.

Von der Höhe der Schildmauer aus hat man wieder einen wunderschönen Rundblick auf Schwarzwald, Klettgau, Rheintal und Aargau sowie in Richtung Zürich und ins nahe Küssnachtal. Bei schönem Wetter kann man von hier aus die Alpen sehen.

In der Schildmauer eingelassen sind 3 Mauernischen, in welchen früher jeweils ein Bedienungsmann für eine schwere Hakenbüchse stehen konnte.

Wir steigen nun die Treppe wieder hinab, gehen am Brunnen vorbei und durch das Tor in der Schildmauer hindurch in Richtung Osten. Nach dem Durchschreiten des Tors wenden wir uns nach rechts und treten gebückt in die dort sichtbare Geschütznische (>21>) hinein. Ob sich in der Nische jemals ein wirkliches Geschütz befand, ist fraglich. Wenn die Burg überhaupt schwere Geschütze besaß, so standen diese wohl auf der obersten Plattform der großen Bastion (Halbturm).

Von den Schießscharten der Burg aus wurde entweder mit Armbrüsten oder mit sogenannten Hakenbüchsen geschossen.

Wir blicken zur Schießscharte hinaus. Auch hier erkennt man die Abtreppung der trichterförmigen Öffnung. Links und rechts des Fensters befinden sich die Vertiefungen zum Einhängen des hölzernen Ladens. Wie man sieht, hatte der Schütze nur ein kleines Sichtfeld und stand schon von vorneweg auf verlorenem Posten.

Über der Fensteröffnung befindet sich der Pulverdampfabzug, in den man auch hineinschauen kann.

Nach dem Verlassen der Nische blicken wir nochmals zurück zum Tor in der Schildmauer und betrachten die über den Maueröffnungen angeordneten Druckentlastungsgewölbe, die an dieser Stelle besonders gut zu sehen sind. Sie entlasteten die Geschützöffnungen vom Druck der schweren Außenmauern. Der Weg führt nun weiter, vorbei an der großen Bastion (>3>), die 1634 ausbrannte, so daß jetzt nur noch die Außenmauern und Teile der ehemals abgerundeten Brüstung zu sehen sind. Wir stehen nun vor dem Torgebäude (>22>) (wo in der Zeichnung?). Linker Hand liegt der Rest des ehemaligen Bergfrieds, daneben die Ruine des Vogtshauses.

Wir steigen jetzt die Wendeltreppe hinab und betreten das Innere der großen Bastion.

Die schmalen Mauerabsätze verraten, daß die Festung drei Stockwerke hatte. Gegen Süden führt ein heute vergitterter, etwa 5 m langer gewölbter Gang zu einer Geschütznische mit Pulverdampfabzug.

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Wir wenden uns dann gegen Norden: Durch eine kleine Mauerpforte (>4>) geht es dort hinaus ins Freie: Wir stehen wieder unter der Zugbrücke.

Mauerpforte:

Diese Mauerpforte war, wie man an den seitlichen Steinen sieht, früher vom Boden her etwa 0,90 m hoch mit einer schwächeren Mauer verschlossen, so daß außerhalb der Schlupföffnung eine kleine, gut geschützte Nische vorhanden war, in der sich ein Mann verbergen konnte. Eine schwere Holztür, die durch einen mächtigen Balken gesichert war, verschloß die verbleibende Öffnung. Ein Loch, in welches der Türbalken zurückgeschoben wurde, ist heute noch vorhanden. Diese Fluchtpforte war der einzige Notausgang der Burg, falls es nicht doch einen unterirdischen Notschlupf an anderer Stelle gegeben hat.

Von der Zugbrücke aus gehen wir nun etwa 20 m in Richtung Gasthaus Küssaburg. Dort sehen wir im Weg eine leichte Erhebung. Hier befand sich vielleicht die Quermauer der ehemaligen Vorburg. Das Plateau der Vorburg ist im Westen 28 m, im Osten 18 m breit und hat eine Länge von etwa 92 m, also eine Grundfläche von etwa 2120 m2.

Wolf Pabst, Juli 2009 (Quelle: Der kleine Führer durch die Küssaburg)

 

Bemerkung:

Bei dieser Beschreibung handelt sich sich um eine gekürzte Fassung der Beschreibung aus der Broschüre "Der kleine Führer durch die Küssaburg". Die Broschüre können sie unter "Downloads"  herunterladen.

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